Der vergessene Flughafen in Regensburg-Prüfening
2026 feiert die Lufthansa ihr 100-jähriges Bestehen. Das Jahr 1926 markierte auch für Regensburg einen luftfahrtgeschichtlichen Meilenstein, an den sich heute allerdings fast keiner mehr erinnert.
Im Juni 1926 begannen auf einem 32 ha großen, damals landwirtschaftlich genutzten Gelände im Stadtwesten von Regensburg die Planierungsarbeiten für einen Flugplatz für den zivilen Luftverkehr. Bereits im September 1926 starteten auf dem Flugplatz Passagierrundflüge. Die vorläufige Betriebserlaubnis erhielt der Flugplatz am 19. April 1927. Im ersten Jahr kamen 130 Fluggäste an und 176 flogen ab. Neben den Passagieren wurde vor allem Luftpost befördert.
Der Flugplatz grenzte im Nordwesten fast an die Donau. Im Süden lag die Prüfeninger Rennbahn. An die Stadt war der Flugplatz verkehrstechnisch durch die elektrische Straßenbahn (20 min bis zur Stadtmitte) sowie durch eine Motorbootverbindung (12 min bis zur Steinernen Brücke) angebunden. Die meisten Fluggäste werden sich jedoch bequem 30 Minuten vor Abflug für eine Gebühr von RMk 1.- (1930) mit dem Autozubringerdienst der Nordbayerischen Verkehrsflug A.G. vom Hapag Reisebüro in der Maximilianstrasse 39 direkt auf das Flugfeld bringen haben lassen.
Ein Flug nach München kostete (1930) RMk. 13,50. Nach Plauen flog man (1930) für RMk. 20,50 und nach Leipzig/Mockau für RMk. 35.-. Flug 347 von München nach Regensburg flog täglich vom 1.6. – 30.9.1930. Abflug in München war um 7:00 (im September 5 min später). Um 14:05 (im September 40 min später) ging es wieder zurück. Fliegen war damals tageslicht- und wetterabhängig.
Der regionale Flugverkehr von und nach Regensburg war jedoch wenig rentabel. Betrieben wurde die Strecke von der Nordbayerischen Verkehrsflug A.G. (1930 umbenannt in Deutsche Verkehrsflug AG), deren Geschäftsmodell darin bestand, auf innerdeutschen Flugstrecken günstigere Tickets anzubieten als die Lufthansa. 1934 wurde die Gesellschaft, die hohe Verluste schrieb, liquidiert. Die Lufthansa hatte an der Übernahme der Regionalflugstrecken von und nach Regensburg kein Interesse. Im November 1938 endete das Kapitel des kommerziellen zivilen Luftverkehrs in Regensburg mit dem Verkauf des Flugplatzes an die Bayerischen Flugzeugwerke Regensburg GmbH (Messerschmitt).
© Text & Fotos: Dr. Birgit Kunze