Seide, Leinen, Tuch

Teil 2 der 5‑teiligen Führungs­reihe “Handwerk und Handel: Hand in Hand

Im zweiten Teil der Führungs­reihe nahm Frau Dr. Alexandra Berg die Mitglieder von AKUSO und des Förder­kreises am 18. April 2026 mit auf eine Zeitreise zum Textil­handwerk im Mittel­alter. Am Anfang stand wiederum ein Rundgang durch das Histo­rische Museum, bei dem Frau Dr. Berg fachkundig auf einschlägige Exponate hinwies. Das Highlight bildete der fast 10 Meter lange um 1400 in Regensburg herge­stellte Bildteppich mit dem „Kampf der Tugenden und der Laster“ aus dem Alten Rathaus.

Die Rohstoffe für die Textil­er­zeugung im Mittel­alter waren teils einhei­mische Erzeug­nisse, teils teure Importe aus dem Ausland. Das Kloster St. Emmeram begann nachweislich schon um das Jahr 1000 mit dem Anbau von Flachs zur Leinen­her­stellung mit aus Italien impor­tierten Flachs­samen. Die einhei­mische Seiden­pro­duktion schei­terte dagegen immer wieder an den hiesigen klima­ti­schen Verhält­nissen. Dementspre­chend teuer waren Seiden­stoffe im Mittel­alter. Kleidung aus mit feinen Metall­fäden durch­wirkter Seide war ein Status­symbol der Superreichen.

Regle­men­tiert wurde das Textil­handwerk im Mittel­alter durch eine strenge Zunft­ordnung. Verstöße gegen die Regeln zu Maßen, Qualität und Echtheit der Erzeug­nisse wurden mit einer hohen Geldstrafe belegt, und wenn der Betref­fende diese nicht zahlen konnte, hieß es, dass ihm statt­dessen eine Hand abgehackt werden solle. Die am Portal des Alten Rathauses angebrachten Stadtmaße (Schuh, Elle, Klafter) infor­mierten öffentlich über die in der Stadt gültigen Längenmaße (die Breite der Stoffe war durch den Webstuhl vorgegeben).

Am Watmarkt fand der Handel mit Textil­er­zeug­nissen (Kleider, Garn, Flachs) im mittel­al­ter­lichen Regensburg statt. Wie einträglich das Gewerbe war davon zeugen noch heute die Stifter­fenster der Woller und Waider (Blaufärber) im Dom, die von der Zunft gestiftet wurden. Weitere Spuren im Stadtbild sind die ehema­ligen Woller­häuser in der Unteren Bachgasse 3 und in der Roten Hahnen Gasse. Letzteres diente als sog. Bruderhaus, in dem alte und kranke Zunft­an­ge­hörige versorgt wurden. Heute ist dort passen­der­weise AKUSO unter­ge­bracht. Dort endete auch die sehr aufschluss­reiche Führung von Frau Dr. Berg durch das mittel­al­ter­liche Textil­handwerk mit einer kleinen Filmvor­führung und Präsentation.