Bäcker, Brauer, Brenner

Teil 4 der 5‑teiligen Führungs­reihe „Handwerk und Handel: Hand in Hand“

Nachdem wir den Regens­burger Ratsherren Albrecht Altdorfer in Teil 1 der Führungs­reihe schon als Baumeister kennen­ge­lernt hatten, begegnete er uns hier als cleverer Geschäftsmann. Altdorfer profi­tierte durch den Verkauf von Devotio­nalien von der Wallfahrt zur „Schönen Maria“, die ab 1520 zigtau­sende Pilger nach Regensburg lockte, wie Frau Dr. Alexandra Berg den Mitgliedern des Förder­kreises und von AKUSO eindringlich schil­derte. In Folge dieses Pilger­an­sturms entwi­ckelte sich zudem eine zünftische Gaststät­ten­kultur in Regensburg – mit so klang­vollen Namen wie „Goldenes Kreuz“, „Zum blauen Engel“ (Graven­reuther) und dem „Goldenen Bock“ in der Auergasse 10.

Im mittel­al­ter­lichen Regensburg dominierte der Weinkonsum. Wein wurde aus Öster­reich (Osterwein), Italien und Griechenland (der beliebte Malvasier) impor­tiert, aber auch lokal angebaut. Bier wurde ebenfalls schon früh gebraut, wenn auch nicht immer mit den Zutaten, die wir heute verwenden. Karl der Große trank bei seinen Aufent­halten in Regensburg um das Jahr 800 ein Bier aus vergo­renem Hafer. Seit 1325 hatte das Kloster St. Emmeram nachweislich eine eigene Brauerei und bereits 100 Jahre zuvor hatte die Brautra­dition im St. Katha­rinen-Spital begonnen. Im Jahre 1220 verlieh der Kaiser den Bürgern der Stadt das Privileg zum Bierbrauen. Um das Jahr 1700 hatte sich die Brautra­dition so etabliert, dass Regens­burger Bier bis nach Wien expor­tiert wurde.

Inzwi­schen war die fromme Pilger­kund­schaft schon längst durch die illustre Gesell­schaft der Gesandt­schaften am Reichstag abgelöst worden, die statt Rosen­kränzen Spiel­würfel kauften und den Branntwein nicht mehr vorrangig zum Einreiben schmer­zender Körper­teile verwen­deten. Die Stadt versuchte dem Verfall der Sitten durch strenge Strafen entge­gen­zu­wirken. Der Nacht­wächter war befugt, Trunken­bolde festzu­nehmen und in einen käfig­ar­tigen sog. „Schand­kobel“ einzu­sperren, der prominent unter dem Rathau­s­erker stand. Früh morgens versam­melte sich dann eine Gruppe Neugie­riger vor der Ausnüch­te­rungs­zelle und verspottete schonungslos denje­nigen, der heraustrat.

Bäcker gab es in Regensburg reichlich. Die Bäcker­ordnung von 1341 gilt als erste überlie­ferte Handwer­ker­ordnung Deutsch­lands. Mehl wurde in den „Semmel­mühlen“ an der Steinernen Brücke gemahlen. Sog. „Weißbäcker“ buken das „weise brod“ (angeblich wurde man vom Genuss wirklich weise) für die Besser­ge­stellten. An Festtagen gab es Fettge­ba­ckenes, wie die beliebten „Kucheln“ und „Krapfen“. Im Helden­gässchen am Donau­markt fand man bei Ausgra­bungen einer ehema­ligen Bäckerei verbrannte Brezen aus dem 17. Jahrhundert. Bäcker, die zu kleine Semmeln verkauften, wurden in eine bestia­lisch stinkende Viehtränke am Arnulfs­platz getaucht. In der Durch­setzung von Recht und Gesetz war man damals wahrlich nicht zimperlich.